
Transformation: Die Zukunft von Branchen und Regionen liegt in ihren Kompetenzen
Automotive, Maschinenbau, Medizintechnik oder Chemie: Wenn Regionen oder Branchen unter Druck geraten, beginnt meist dieselbe Diskussion. Welche Unternehmen sind betroffen? Welche Arbeitsplätze sind gefährdet? Welche neuen Märkte könnten entstehen? Wie können wir die Transformation unterstützen?
Die eigentliche Frage lautet jedoch anders: Welche Fähigkeiten besitzen die Unternehmen einer Region oder Branche und welche neuen Märkte lassen sich daraus entwickeln?
Genau diese Perspektive fehlt in vielen Transformationsstrategien. Analysiert werden Branchen und Technologietrends. Was aber fehlt, ist der Blick auf die eigentlichen Stärken der Unternehmen. Dabei entscheidet genau dieser Blick darüber, ob Strukturwandel gestaltet oder lediglich verwaltet wird.
Gemeinsam mit Umwelttechnik BW und dem INEC der Hochschule Pforzheim haben wir deshalb einen neuen Ansatz entwickelt. Ausgangspunkt waren über 400 Industrieunternehmen des baden-württembergischen Mittelstands. Statt sie nach Branchen zu gruppieren, haben wir ihre Produkte, Technologien und Kompetenzen analysiert und mit zukünftigen GreenTech-Märkten abgeglichen. Das Ergebnis ist eine völlig neue Sicht auf Transformation.
Die folgende Abbildung zeigt exemplarisch, wie sich bestehende Kompetenzfelder in neue Wertschöpfung übersetzen lassen. Aus Präzisionsmetallkomponenten werden Anwendungen für Wasserstoffsysteme. Aus Automatisierungs- und Energietechnik entstehen Lösungen für Ladeinfrastruktur. Aus Kompetenzen in Prozess- und Anlagentechnik entwickeln sich Angebote für Wasseraufbereitung, Kreislaufwirtschaft oder Carbon Management.
Plötzlich wird sichtbar, was klassische Branchenanalysen nicht zeigen können: welche Zukunft bereits in den Unternehmen einer Region oder Branche angelegt ist.
Genau darin liegt aus unserer Sicht die Zukunft von Regional- und Branchenentwicklung. Nicht die Frage „Welche Branchen haben wir?“ sollte im Mittelpunkt stehen, sondern „Welche Wachstumspfade ergeben sich aus den Kompetenzen unserer Unternehmen?“
Für Wirtschaftsförderungen, Kammern und Verbände eröffnet das eine neue Möglichkeit, Transformation aktiv zu gestalten. Statt auf Strukturbrüche zu reagieren, können neue Wertschöpfungsfelder systematisch identifiziert und entwickelt werden.
Die Resonanz auf unser Projekt hat gezeigt, wie groß der Bedarf an einem solchen Ansatz ist. Inzwischen arbeiten wir bereits an weiteren Projekten, die dieses Prinzip auf andere Branchen und Regionen übertragen.
Denn am Ende entscheidet sich die Zukunft einer Region nicht an ihren heutigen Branchen. Sie entscheidet sich an den Kompetenzen ihrer Unternehmen und daran, wie konsequent daraus die Märkte von morgen entwickelt werden.
Bild: KI-generiertes Bild

Dr. Dipl.-Ing. Ulrich Hutschek
Senior Project Manager bei TIM Consulting
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